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Wie Du Deine Stimme wirkungsvoll einsetzt

Die eigene Stimme ist ein unglaublich wichtiger Teil der eigenen Ausstrahlung. Schon nach den ersten Worten beim Kennenlernen ordnen wir dem Gesprächspartner anhand der Stimme – wenn auch manchmal nur unbewusst – bestimmte Charaktereigenschaften zu. So löst leises „in sich hinein reden“ sofort die Assoziation fehlenden Selbstbewusstseins aus; eine nasale Stimme kann arrogant oder selbstmitleidig wirken; eine zu laute, übertrieben modulierende Stimme wird von sehr vielen Menschen als überdominant-aufdringlich empfunden.

 

Wie die eigene Stimme von anderen wahrgenommen wird, bekommen die meisten aber gar nicht mit. Der Grund dafür ist, dass wir unsere eigene Stimme nicht primär über die Luft hören wie die anderen, sondern darüber, dass (vereinfacht gesagt) die Knochen im Kopf beim Sprechen vibrieren und wir diese Vibration „hören“. Für andere Personen klingt man also ganz anders als für sich selbst! Weil es aber als sehr unhöflich gilt, persönliche Eigenschaften wie die Stimme bei anderen Personen anzusprechen, teilt es uns unsere Umgebung nicht unbedingt mit, wenn wir einen schlechten Eindruck hinterlassen haben. So kann es passieren, dass man jahrelang schlechte Angewohnheiten mit sich herumschleppt, die eigentlich sehr einfach zu korrigieren wären.

 

Man muss aber zum Glück nicht wildfremde Menschen überreden, die eigene Stimme zu kritisieren, um herauszufinden wie man wirklich klingt; man kann die Stimme einfach aufnehmen und sich das Resultat anschließend anhören. Für viele ist das dann erst mal ein großer Schock: Sie finden die Stimme auf der Aufnahme grässlich und fremd. Es hilft auch nicht gerade, wenn Verwandte dann auf Nachfrage erklären: „Wieso, Du hast doch schon immer so gesprochen.“ Kein Grund den Kopf hängen zu lassen; vielmehr kann man eine einmalige Gelegenheit ergreifen, den eigenen Eindruck bei anderen radikal zu verbessern.

 

Was man dazu tun muss, ist natürlich sehr individuell, weil jeder andere schlechte Angewohnheiten hat. Meistens liegt das Problem aber in einem von drei Bereichen:

 

Der Stimmklang – wie Du eine zu piepsige oder zu leise Stimme vermeidest

 

Jede Stimme hat einen bestimmten „Grund-Klang“, sie kann also z.B. eher nasal, sonor, laut, leise etc. sein. Hier gibt es typische Männer- und Frauenprobleme:

 

Wenn eine Frau in diesem Bereich ein Problem hat, beschreibt sie ihre Stimme häufig als „zu hoch und piepsig“. Insbesondere Frauen die sich am Arbeitsplatz gegenüber Männern durchsetzen müssen, haben dann schnell die Sorge, nicht ausreichend ernst genommen zu werden. So wird z.B. eine befreundete Anwältin öfter am Telefon gefragt ob denn „der Chef da ist“. Wer gegen ein solches Problem versucht, einfach lauter zu sprechen um dominanter zu wirken, wirkt am Ende meistens nur schriller und damit unangenehmer und noch unsouveräner.

 

Frauen wirken piepsig, Männer schüchtern

 

 

Männer nehmen als Problem an ihrem Grundklang meistens wahr, dass sie „leise und unartikuliert in sich hinein“ sprechen und damit nicht dynamisch und energiereich klingen.

 

Diese beiden Probleme scheinen zwar auf den ersten Blick sehr unterschiedlich zu sein. Sie lassen sich aber weitgehend auf dieselben zwei Grundfehler zurückführen: Dass man nicht in der optimalen Stimmhöhe spricht oder dass man beim Sprechen nicht ausreichend viel ausatmet.

 

Wie Du Deine optimale Stimmhöhe findest

 

Um zu überprüfen, ob man in seiner optimalen Tonhöhe spricht, kann man sich im Abstand von etwa 30cm vor eine Zimmerecke stellen (mit dem Gesicht zur Wand, d.h. zur Stelle, wo die beiden Wände zusammenlaufen), und mit konstanter Lautstärke summen; man fängt von oben an und summt langsam immer tiefer. Wenn man sich richtig hingestellt hat, sollte man den Effekt bemerken, dass bei einer bestimmten, mittleren Tonhöhe die Wände die Stimme viel lauter zurückwerfen. Das ist die optimale Sprechhöhe.

 

Beim Sprechen besser atmen

 

Um beim Sprechen mehr „Substanz“ in die Stimme zu bekommen, d.h. mehr Luft geben zu können, muss man die Stimme mit dem Zwerchfell – einem Muskel in der Bauchregion – unterstützen. Man kann erfahren, welche Muskeln man dabei einsetzen soll, indem man eine Kerze zuerst 20cm vom Gesicht entfernt hält und die Flamme zum Flackern (nicht Erlöschen) bringt, indem man leicht dagegen bläst. Jetzt hält man die Kerze am ausgestreckten Arm entfernt ganz weit weg und versucht das gleiche. Um beim zweiten mal einen Luftstrom zu erzeugen der weit genug reicht, setzt man automatisch die Zwerchfellregion ein. Beim Sprechen sollte man dann vereinfacht gesagt ebenfalls das Gefühl haben, „eine weit entfernte Kerze zum Flackern zu bringen“ (ohne dafür besonders laut zu sprechen).

 

Modulierung – die Stimme spannender machen

 

Ein ganz anderer Bereich, in dem man seine Stimme tunen kann, ist die Modulation; das heißt, wie viel man an Lautstärke, Höhe, Tempo, Pausen etc. beim Sprechen variiert, um nicht langweilig und monoton zu klingen. Leider ist das ein hochkomplexer Bereich, in dem man unglaublich tolle Ergebnisse erreichen aber dummerweise auch sehr viel falsch machen kann.

 

Zur Illustration, welche Abweichungen es hier gibt: Zwei Leute auf der Straße, die sich unterhalten, werden meist extrem wenig modulieren, wenn sie entspannt sind und sich gut kennen. In – meist synchronisierten – Fernsehserien dagegen wird z.B. oft aberwitzig viel moduliert, weil sich die Synchronsprecher nur noch mit der Stimme befassen, sehr viel transportieren wollen und das dann total übertreiben.

 

Beides sind in ihren Extremen schlechte Beispiele. Wer monoton spricht – meist entweder weil bei zunehmender Entspannung oft auf Modulation „verzichtet“ wird, s.o., oder wenn man so schnell spricht, dass für Modulation schlicht keine Zeit bleibt – bringt nicht so viel Farbe und Lebendigkeit in seine Stimme, wie er erreichen könnte. Wer aber ständig übertrieben „schauspielert“, wirkt auch merkwürdig.

 

Man muss also ein Gefühl dafür entwickeln, die gesunde Mitte zu treffen. Das kann man am besten schaffen, indem man sich langfristig selbst beobachtet und immer mal wieder experimentiert (was viel Spaß machen kann!), aber gleichzeitig darauf achtet, nicht zu übertreiben.

 

Du solltest also in den nächsten Gesprächen einfach mal bewusst darauf achten, wie Du bisher mit Pausen, Lautstärke, Tempo etc. variierst und dann leichte Veränderungen vornehmen.

 

 

Artikulation – wie Du deutlicher sprichst

 

Das letzte große Sprachcoaching-Gebiet ist die Artikulation, d.h. die präzise Aussprache der einzelnen Laute, indem man vor allem Zunge und Lippen richtig benutzt.

 

Viele Menschen die im Alltag zu undeutlich sprechen („Nuscheln“) sagen von sich, sie hätten ein „Artikulationsproblem“, und üben daher, wenn sie überhaupt etwas unternehmen, oft mit sehr teuren Trainern ausgiebig die Artikulation der verschiedenen Laute („Fischers Fritze fischt frische Fische. Frische Fische…“).

 

Das gibt aber meist nur Sinn, wenn man das spezielle Problem hat, einen bestimmten Laut nicht aussprechen zu können (z.B. kein „f“ oder kein „sch“) und beim Selbstlernen ohne Trainer partout nicht weiter kommt. Ansonsten sollte man professionellem Artikulationstraining sehr, sehr skeptisch gegenüberstehen. Die meisten Menschen die „nuscheln“ – und daher automatisch annehmen, dass sie erst lernen müssen, präzise zu artikulieren – haben nämlich in Wirklichkeit überhaupt kein Problem, Laute richtig auszusprechen.

 

In Wirklichkeit liegt das Problem beim „Nuscheln“ fast nie an der Artikulationstechnik, sondern fast immer an einer Kombination daraus, mit zu hohem Tempo, zu wenig Luft (siehe jeweils oben) und mit zu wenig Gefühl dafür zu sprechen, wie undeutlich man klingt (Lösung: Aufnehmen und regelmäßig anhören!).

 

Nur wenn man diese Faktoren selbst überprüft hat und trotzdem lange selbst nicht weiter kommt, sollte man über das Kontaktieren eines teuren Sprachtrainers nachdenken.

 

Vertiefungshinweise

 

Hier konnte natürlich nur eine kleine Einführung gegeben werden. Wer mehr zum Thema lesen will, findet im Internet viele Beiträge und Coaching-Programme, die teilweise extrem verschiedene Ansätze verfolgen. Ein sehr renommiertes (kostenpflichtiges) Programm mit vielen anschaulichen Übungen ist z.B. „Voicing it!“ von Nancy Daniels; leider gibt es das Programm nur auf Englisch, was bei den Artikulationsübungen natürlich sehr stört. Ansonsten hilft schon eine Google-Suche – und es gibt eine Menge Youtube-Videos zum Thema, von denen zumindest einige auch brauchbar sind.

 

Wer den beiden Grundtipps folgt, die eigene Stimme über längere Zeit aufzunehmen und anzuhören und es gleichzeitig mit den Änderungen nicht zu übertreiben, macht aber auf jeden Fall schon das Wichtigste richtig.

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